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Engrish, Japlisch und der ewige Kampf der Japaner mit westlichen Vokabeln

von Soldat

Wer auch nur einmal im Ansatz in die Welt der Anime und Manga eintaucht, dem wird es umgehend auffallen: Die Japaner lieben die Sprachen Deutsch und Englisch. Bands, Zeitschriften, Produkte und natürlich auch Japanimationsserien und -filmen werden von den Freunden aus Fernost mit schöner Regelmäßigkeit englische oder auch deutsche Titel verpasst. Wäre ja alles gut und schön. Wäre da nicht, ja wäre da nicht ein kleines Problem: Die Japaner sind schlicht DAS fremdsprachlich unbegabteste Volk unter Gottes Sonne...

Das hat dann auch unweigerlich zur Folge, dass ihre entsprechenden Versuche allzumeist kläglich in die Binsen gehen. Und dass so oft, dass dieser "Trend" in Amerika bereits unter einem eigenen Begriff läuft: "Engrish" (oder auch "Japlish"). Zeit also, den Ursachen dieses Phänomens auf den Grund zu gehen.

Japaner befleißigen sich einer sehr eigenwillige Sprache, die sich von nahezu jeder anderen sowohl in Grammatik als auch schon in den verwandten Lauten grundliegend unterscheidet. Denn die japanischen Laute bestehen immer, und ich meine immer, aus einem Konsonanten (Mitlaut) gefolgt von einem Vokal (Selbstlaut) oder auch einem einzeln stehenden Vokal. Zur besseren Verdeutlichung sezieren wir also kurz einmal einen nipponesischen Namen auseinander. Die Schöpferin von Ranma 1/2 zum Beispiel setzt sich lauttechnisch folgendermaßen zusammen: Ru-mi-ko Ta-ka-ha-shi. (Das 'sh' ist hierbei als gesprochener Einzellaut zu werten) - Dieses, den Japanern von Kindheitsbeinen verinnerlichte Konzept verhindert schlicht, dass sie westliche Namen und Begriffe korrekt aussprechen können. Sie konvertieren sie stattdessen bestmöglich in ihr eigenes Lautsystem. Unsere Bundeskanzlerin, Frau Merkel zum Beispiel würde somit im Munde eines Japaners unweigerlich zu "Furao Merakelu". Genauso wie das Wort "Stopp" im japanischen "Sutoppu" pronounziert wird. Der nächste Faktor ist die differente Schrift. Japaner schreiben in Kanji und können mit unserem Schriftsatz verständnistechnisch rein gar nichts anfangen. Dieses Problem gipfelt dann in Wortbaracken wie Chrnos Crusade (Anime) oder Samurai Shodown (Video Game). Damit hätten wir also schon einmal ein paar wesentliche Knackpunkte für Fehlerpotential ausgemacht.

Aber nicht genug damit, dass die Japaner für sich genommen schon mehr als genug Fehler fabrizieren. In der Rückübersetzung in westliche Gefilde (z.B. bei Manga; Anime) führt die benannte, eigenwillige Aussprache oftmals dazu, dass japanischunkundige Übersetzer aus unseren Landen oft etwas durcheinander kommen und so wird dann schon mal (wie in der vorliegenden Serie) aus dem Charakter "Stella" eine "Satella" und Captain Futures Freundin "Joan Randall" hört bei uns auf den Namen "Joan Landor". Und selbst bei renommierten Projekten und Firmen Japans hat der Fehlerteufel seine Hand oft gnadenlos im Spiel. So hat selbst das bekannte Studio Ghibli einen Schreibfehler im Titel. Denn eigentlich ist die Firma nach "Gibli", einer italienischen Vokabel für "Wüstenwind", benannt. Und so setzt sich die Geschichte fort: Da begegnen uns der Serienheld Jing als "König des Banditen" ("King of bandit"), in Phantom Quest Corp. erscheint ein Vampir-Buch namens "Draculra" und die Präsidentin aus Kujibiki Unbalance darf sich des äußerst eigenwilligen Nachnamens "Kübel Kettenrad" erfreuen.

Warum sich die Japaner nicht einfach ein Wörterbuch zulegen oder einen Übersetzer engagieren? Nun, selbst einige Nachschlage- oder Lernwerke der Fernöstler weisen ein recht sagen wir "unikates Sprachmuster" auf. Aber warum keinen fachkundigen Transkriptor? Ehrlich gesagt: Ich weiß es auch nicht und das wird wohl für immer ein Geheimnis der Japaner bleiben. ;)

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Auch Videospielheld Terry Bogard wurde bereits Opfer unfähiger japanischer Übersetzung und selbst der Fürst aller Vampire muß sich in der OVA "Phantom Quest Corp." einiges gefallen lassen

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