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Das Katana - Die Seele des Samurai

von Soldat

Das gerade gehaltene, rasiermesserscharfe Langschwert, Katana genannt, war im alten Japan ab dem fünfzehnten Jahrhundert Hauptwaffe der Samurai und nahm in deren Philosophie einen besonderen Platz ein, zumal ohnehin nur hohen Würdenträgern überhaupt die Ehre zuteil wurde eine solche Waffe tragen zu dürfen. ...

So wird das Katana (das Wort bedeutet im japanischen übrigens schlicht "Schwert") in diversen Schriften als "Leibwächter" oder gar als "das Leben" eines Kriegers bezeichnet. Folglich hatte der Samurai sein Schwert nie außer Reichweite zu legen. Ob hellwach oder schlafend, stehend, sitzend oder liegend: Aus jeder Lebenslage hatte er stets bereit zu sein die Klinge blank zu ziehen, die nicht selten als einzige Barriere zwischen ihm und dem drohenden Tod durch Feindeshand stand. Lediglich in der relativen Sicherheit des eigenen Heimes fand das Katana zeitweise Platz in einem speziellen Verwahrschrank.

Die Herstellung der höchst effizienten Hiebwaffen verursachte enormen Aufwand, da das Metall der Klingen in einem schier endlosen Schmiedeprozess unter anderem dutzendfach gefaltet werden musste, um so eine maximale Schärfe und Festigkeit unter Bewahrung der notwendigen Flexibilität zu gewährleisten. Im Gegensatz zu den europäischen Schwertern dieser Zeit waren die Katana relativ leicht und ermöglichten den Samurai in Kombination mit lediglich leichtem Harnisch, agil und schnell im Kampf vorzugehen. Andererseits waren die Waffen auch wesentlich pflegeintensiver, da äußerst korrosionsanfällig. Jeder Krieger hatte sein Schwert folglich regelmäßig einzuölen und zu säubern um es intakt und rostfrei zu halten. Dies wurde so gewissenhaft betrieben, dass einige Schwerter seit etlichen Generationen und bis heute in den Familien weitergegeben und nur marode Griffstücke dabei bei Bedarf ersetzt werden. Der charakteristische Wellenschliff der Schneiden sorgte im Einsatz der Waffe für eine Art Sägeeffekt, wodurch die ohnehin enorm scharfen Klingen beim Führen eines Schnittes noch tiefer ins Fleisch des Opponenten eindringen.

Auch in Hinsicht auf den Schwertkampf an sich unterschieden sich die Herangehensweisen der Japaner deutlich von den westlichen. Während sich bei Letzteren die Edelmänner erst voreinander aufbauten und ihren Angriff ankündigten (z.B. durch das bekannte "En Garde!") um dann mit dem Klingengefecht zu beginnen, vertraten die Japaner die weit effizienzorientiertere Taktik: "Der Gegner ist schnellstmöglich und mit so geringem Aufwand und Risiko wie möglich auszuschalten". - Viele Techniken haben in diesem Sinne sogar das Ziel zum Gegenstand, den Gegner bereits in der Bewegung des Ziehens der Klinge mit einem tödlichen Streich zu vernichten, möglichst noch bevor dieser sich überhaupt auf den Kampf einstellen kann. Grundsätzlich führt man des Weiteren sowohl in Iaido als auch im Aikido, den klassischen japanischen Schwertkampflehren, das Katana nie im senkrechten Schlag gegen das Ziel, sondern in einer schneidenden, ziehenden Bewegung. Das Katana sollte die Waffe der Samurai bleiben, bis diese Kämpferkaste schließlich Ende des neunzehnten Jahrhunderts durch das verstärkte Aufkommen von westlichen Einflüssen und Schußwaffen im japanischen Militär ihren langsamen aber unaufhaltbaren Niedergang erlebte.

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(C) by Soldat; 2006

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