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Le Chevalier D´Eon: Eingekesselt zwischen historischer Wahrheit und japanischer Fiktion

von Katsuhisa

Die damaligen Verhandlungen und Konsultationen zwischen den amtierenden Monarchen Europas folgten stets einer öffentlichen und streng formalen Etikette. Ziel der französischen Machthaber war es, abseits dieser offiziell zelebrierten Diplomatie eine diskrete Kommunikation einzurichten. Am Ende dieser Überlegungen folgte die Gründung des "secret du roi".

Die volle Aufmerksamkeit Ludwig XV. erweckte der um 1746 ins Leben gerufene Geheimdienst erst nach Signierung der Aachener Friedensverträge 1748, die unter den Franzosen als Redewendung "dämlich wie der Frieden" zweifelhaften Ruhm ernteten. Brüskiert schimpfte die Bevölkerung über die finalen Resultate, da sie das Abkommen als unverhältnismäßige und insbesondere unnötige Benachteiligung Frankreichs empfanden. Auch der König war mit dem bescheidenen Ausgang der zähen Verhandlungen, die fast ein halbes Jahr andauerten, äußerst unzufrieden. Aus seinem Unmut heraus resultierte letztendlich ein wachendes Interesse an den Aktivitäten der jungen Organisation, die zukünftig vergleichbare außenpolitische Niederlagen verhindern sollte.

Unter starkem Einfluss des ehrgeizigen Prince de Conti, dem Cousin von Ludwig XV. entwickelte der Geheimdienst rasch feste Strukturen und sollte unter Führung ihres versierten Leiters Graf Charles-François Broglie maßgeblich die französische Außenpolitik im Sinne des Königs formen. De Contis Ziel war primär die Stabilisierung der europäischen Ordnung, die unter den Ambitionen aufstrebender Mächte wie Preußen und Russland, oder unter dem üblichen Kriegsgebaren der etablierten Großmächte Frankreich, Österreich und England litt. Besonders Russlands Aufstieg zur ernst zunehmenden Bedrohung war dem fintenreichen Franzosen ein Dorn im Auge. Um die politischen und strategischen Visionen umzusetzen, sinnierte de Conti über eine schlagkräftige Allianz mit der Türkei, Schweden, Preußen und Polen. Letzteres war bereits zur Hälfte vom großen Ostnachbar annektiert und sollte deshalb in der Rolle eines Außenpostens als Verteidigungslinie gegen eine mögliche Invasion des expandierenden Zarenreiches herhalten. Da Frankreich offiziell selbstverständlich keine Anti-Russland-Politik betreiben wollte, um jegliche militärische Konfrontation im Vorfeld zu vermeiden, nutzte der Hof in Versaille das Schattennetzwerk zur Korrespondenz mit den potentiellen Bündnispartnern Schweden, Polen und Türkei. Frankreichs untergründiges Bemühen scheitert jedoch 1772 kläglich, als Polen infolge eines Bürgerkrieges in preußisches und russisches Territorium aufgeteilt wird. Nachdem Ludwig XV. an den Pocken erkrankte und am 10. Mai 1774 verstarb, löste sein Enkel und Thronachfolger Ludwig XVI. den historisch betrachtet mäßig erfolgreichen Spionageapparat auf und bewilligte den ehemaligen Agenten eine lebenslange Pension.


Weitere interessante historische Details werden mit jedem neuen Volume von Le Chevalier D'Eon hinzugefügt.

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